Landtagswahl. Aussagen der Kandidaten des Wahlkreises Wangen / Illertal zu Windräder

Aus der Bildschirmzeitung:

https://www.diebildschirmzeitung.de/diebildschirmzeitung/3912-wahlkreis-68-kandidatinnen-zum-thema-regenerative-energien-und-persoenliche-schwaechen-staerken

Aussagen zu Windräder sind hervorgehoben.

Fragen zur regenerative Energien

Regenerative Energien werden für die Zukunft ein entscheidender Energielieferant sein. Während in Allgäu-Oberschwaben Solarenergie unübersehbar wächst, scheiden sich bei Windkraftanlagen die Geister.

Mit welchen Bedingungen verknüpfen Sie mit den Bau von zwischenzeitlich über 150 Meter hohen Windrädern?

Welchen weiteren Lösungen für regenerative Energien sehen Sie als zukunftsträchtig?

Petra Krebs | Bündnis 90 / die Grünen

Regenerative Energien

„Die Erneuerbaren Energien sind ein Schlüssel zum Schutz unseres Klimas. Das zukunftsfähige Fundament für die Versorgung mit Erneuerbaren Energien besteht aus der Kombination von Sonnen- und Windkraft. Beide Energiequellen ergänzen sich gut und sind auch bei steigendem Bedarf noch ausbaubar. In dieser Kombination werden wir eine sichere Versorgung mit Erneuerbaren Energien und eine Weiterentwicklung unserer Industrie ermöglichen, ebenso durch einen konsequenten Netzausbau. Wir werden konkrete regionale Ziele festschreiben, um Sonnen- und Windenergie naturverträglich auszubauen. Deutschlandweit müssen wir bis zur Klimaneutralität eine installierte Leistung von 562 Gigawatt Erneuerbare Energie erreichen. Dafür wollen wir in Baden-Württemberg unseren Beitrag leisten. Hier gibt es noch viel Flächenpotenzial für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dieses wollen wir heben, indem wir verstärkt landeseigene Flächen im Wald für die Windkraft nutzen. So wollen wir bis zum Jahr 2030 über 1000 neue Anlagen ermöglichen. Wir werden alle Freiflächen, landwirtschaftlichen Flächen und geeignete Baggerseen prüfen, ob wir dort die Solarenergie ausbauen können. Allein Freiflächen-Photovoltaik hat ein Ausbaupotenzial von etwa 385.000 Hektar, das wir erschließen wollen.

Wir Grüne haben in der Landesregierung den Einstieg in die Photovoltaik-Pflicht durchgesetzt. Denn die Photovoltaik rechnet sich – für den Geldbeutel und fürs Klima! Bislang gilt die Pflicht für neu gebaute Gebäude, in denen keine Wohnnutzung vorgesehen ist, also etwa für Fabrik- und Logistikhallen, Verwaltungsgebäude oder Supermärkte sowie große Parkplatzanlagen. Im nächsten Schritt wollen wir diese Pflicht auf neue Wohnhäuser sowie Bestandsgebäude ausweiten, wenn eine grundlegende Dachsanierung ansteht. Auch alle weiteren Möglichkeiten wollen wir ausschöpfen, um die Kraft der Sonne in unsere Stromnetze zu bringen: Wir wollen auch Photovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen, sogenannte Agro-Photovoltaik, ausbauen.

Wir stehen dafür ein, dass die Energiewende für alle Bürger*innen im Land zur Erfolgsgeschichte wird. Energie, die vor Ort dezentral in Bürgerhand erzeugt wird, und die finanzielle Beteiligung von Anliegerkommunen bei Windkraft- und Freiflächen-Photovoltaik-Projekten schaffen Akzeptanz, stärken die Resilienz im Energiesystem und sorgen für Wertschöpfung bei vielen Bürger*innen und Gemeinden. Wir wollen dafür sorgen, dass Bürger*innen-Energiegenossenschaften unterstützt werden und Anliegerkommunen attraktive Anreize bekommen, die Erneuerbaren Energien auszubauen“

Raimund Haser | CDU

Regenerative Energien

„Die Energiewende wird nicht in Baden-Württemberg, und erst recht nicht in Oberschwaben entschieden. Aber: Wir leisten tagtäglich unseren Beitrag – heute schon ist unsere Region regelmäßig bei der Photovoltaik und beim Biogas national ganz weit vorne dabei. Nahwärmenetze in fast allen Städten und eine hohe Bereitschaft zur energetischen Sanierung zeichnen die Region aus. Der Anteil der mit Photovoltaik belegten Dächer ist bei uns weit höher als anderswo im Land, und Unternehmen sind stolz auf klimaneutrale Produktion, die Verwendung klimaneutraler Energie oder Angebote für Mitarbeiter, aufs Auto zu verzichten, sofern dies möglich ist. Die Landwirtschaft spielt bei der Energiewende eine entscheidende Rolle – die meiste Energie in der Region kommt derzeit von den Höfen, das darf man nie vergessen. Und dennoch können wir noch mehr tun, zum Beispiel durch einen weiteren Ausbau der Photovoltaik auf Bestandsdächern sowie – wenn es vor Ort im Gemeinderat eine Mehrheit dafür gibt – auf dafür geeigneten Freiflächen. Wir fordern im CDU-Wahlprogramm einen Zubau von 1000 Megawatt Photovoltaik jährlich, dazu gehören auch neue und verbesserte Anwendungen wie die Nutzung von Lärmschutzwänden an Straßen oder Schienen, die Photovoltaik in Verbindung mit Tierhaltung oder Obstbau sowie die Nutzung von Fassaden.

Großes Potenzial in der Region sehe ich im Bereich Wärme, wo wir einerseits durch KfW-Sanierungsmittel den Energiebedarf in Gebäuden senken können, und andererseits mit Solarstrom betriebenen Geothermie- oder Luft-Wärme-Pumpen und angeschlossenen Biogas-Wärmenetzen den CO2-basierten Energiebedarf senken können. Die Windkraftdiskussion ist und bleibt heikel – zurecht. Nur weil man ständig neue Berechnungsmethoden vorlegt, bleibt der Wind trotzdem wie er ist – schwächer und weniger konstant als in anderen Gebieten Deutschlands und Baden-Württembergs. Gegen unseren Willen hat der Bund unter großer Unterstützung des grünen Landesumweltministers die Windkraft im Süden durch die Anpassung des Referenzertrags sowie einer verbindlichen Südquote rechnerisch besser dargestellt als sie ist. Es wird vermehrt zu Anträgen kommen, die man sich sehr genau wird anschauen müssen mit Blick auf Arten- und Naturschutz, aber auch mit Blick auf unsere zersiedelte Landschaft.

In unserem Programm fordern wir deshalb 1000 Meter Abstand zwischen Bebauung und Anlage, weil die Anlagen inzwischen nicht 150, sondern eher 250 Meter hoch sind. Den Ausbau im Wald sehen wir wegen des sensiblen Ökosystems Wald kritisch. Das Planungsrecht bedarf einer dringenden Überarbeitung, wenn man die Menschen vor Ort nicht ständig aufeinander losjagen will. Eine Renaissance der Planungshoheit des Regionalverbandes würde ich persönlich sehr begrüßen.“

Rainer Marquart | SPD

Regenerative Energien

„Wir treten für eine zügige Umgestaltung unserer Energieversorgung ein. Wir brauchen neben der Beendigung der Nutzung der Atomenergie vor allem aus Klimaschutzgründen eine Dekarbonisierung der Energieversorgung. Diese muss zu 100 % auf regenerative Energien umgestellt werden. Die dafür bisher vorgesehenen Zeiträume sind mir persönlich zu langfristig angesetzt.

Dabei setzten wir auf alle Arten der regenerativen Energien: auf Sonne, Biomasse, Wasser und Wind. Eine Schlüsselrolle wird dabei der Wasserstoff haben, weil er aus Sonne und Wind CO²-frei hergestellt und verwendet werden kann. Er ist lager- und transportfähig und kann als Grundlast eingesetzt werden. Die Möglichkeiten zur Erzeugung von regenerativer Energie aus Sonne sind bei weitem noch nicht ausgenutzt. Wie denken an die verpflichtende Installation von Solaranlagen auf allen Dächern bei Neubauten, die Nutzung von Fassaden von Gewerbe- und Wohngebäuden, die Überdachung von Parkplätzen, von Autobahnen und Schienenwegen.

Jede dieser Erzeugungsformen von regenerativer Energie muss im Einzelfall auf die Besonderheiten und Gegebenheiten der jeweiligen Region abgestimmt werden. So wie Sonne, Biomasse und Wasser bedeutsam sind, gehört auch die Windenergie an geeigneten Standorten dazu. Wenn die Windräder allerdings, damit sie lohnend eingesetzt werden können, Ausmaße annehmen, die die Höhe des „Ulmer Münsters“ noch übersteigen, dann finde ich persönlich schon, dass dieses nochmals überdacht werden sollte. Der Produktion von Wasserstoff mit Sonne und Wind an dafür besonders geeigneten Standorten ist da meiner Meinung nach, der Verzug zu geben.“

Helmut Dietz | AfD

Regenerative Energien

„Prinzipiell lehne ich die sukzessive entstehenden Windindustrieanlagen in unserer Gegend ab. Dies gilt natürlich nicht absolut, sondern speziell für die windarmen Gebiete in Oberschwaben. Dabei sind wirtschaftliche als auch visuelle Aspekte wie die Verspargelung der Landschaft ausschlaggebend. Auch der Schattenwurf und die Schallaspekte sind für Anlagen dieser Größe sehr bedenkenswert. In wie weit es sinnvoll ist Anlagen zu bauen, welche teils das Ulmer Münster überragen müssen, um noch wirtschaftlich betrieben werden zu können, mag sich jeder selbst beantworten. Ich für meinen Teil lehne solche Monsterwindindustrieanlagen in Oberschwaben ab und möchte gerne die zukünftig notwendigen Investitionen in andere Formen der Energiegewinnung vornehmen.

Hierbei favorisiere ich besonders einen Energiemix aus den verschiedensten Energieträgern. Diese reichen von den noch verhinderten e-fuels über Solarenergie mit Hausspeichern mit intelligenten Steuerungen bis zum Thema Wasserstoff. Offenheit und Wettbewerb der Energieträger und nicht ideologische Vorgaben sind hier meine Devise.“

Frank Scharr | FDP

Regenerative Energien

„Es dürfte nahezu jedem mündigen Bürger klar sein, dass sich die Ära der fossilen Brennstoffe zur Energieerzeugung dem Ende zuneigt. Die Frage ist nur, wie schnell und wie technologieoffen gehen wir vor? Welche Energiequellen favorisieren wir für welche Nutzungsform? Mobilität benötigt andere Energiequellen als Standortverbraucher.

Beim Thema Mobilität setzen wir Freien Demokraten für die Zukunft auf einen intelligenten Energiemix. Die herkömmlichen Verbrenner, die mit der neuen Abgasreinigung schon wesentlich umweltverträglicher geworden sind, werden uns noch die nächsten Jahrzehnte begleiten, aber an Bedeutung verlieren. Stattdessen setzen wir Liberalen auf eine größere Technologieoffenheit, insbesondere die Forcierung der Wasserstofftechnologie sowie der klimaneutralen E-Fuels. Batterieelektrische Antriebe sind unserer Meinung nach nur ein Teil der Lösung, gerade in Ballungsgebieten aber nicht auf dem Land. Dazu verweisen wir auf die aktuelle Mobilitätsstudie der DHBW Ravensburg-Weingarten.

Standortverbraucher wie z.B. Haushalte und gewerbliche Klein- und Mittelverbraucher werden weiter zunehmend die Sonnenenergie nutzen. Strom aus Windkraftanlagen wird auch in unserer Region weiter zunehmen. Dazu ist die reine Höhe einer Windkraftanlage für mich nicht das Entscheidungskriterium. Auch die oft zitierte „Verhinderung wegen Verschandelung der Gegend“ muss in Abwägung der Versorgungsbedürfnisse einer Region zurückstehen.

Mir ist es wichtig, dass wir ein über das ganze Land gültiges Regelwerk schaffen, das Höhen, Abstände zu Wohnbebauung, Natur- und Umweltverträglichkeit, Nutzenberechnungen usw. generell regelt. Wir müssen weg von der Einzelregelung, die solche Projekte oft jahrelang verschleppen. Nicht nur die Bürger*innen brauchen einen verlässlichen Rahmen, sondern auch die Investoren.

Sowohl die Energie aus Sonnenkollektoren als auch Windenergie haben aber einen großen Nachteil: Sie sichern nicht die Grundversorgung. Diese könnte aber besser sichergestellt werden durch die Speicherung überschüssiger Energie bei gutem Wetter in Wasserstoff, der bei ungünstigem Wetter wieder in Strom umgewandelt werden kann. Als weitere Energiegewinnungsmöglichkeit ist die Wasserkraft zu nennen, die in unserem Lande noch große Entwicklungsmöglichkeit hätte, wenn man sie geordnet zulassen würde. Auch hier empfiehlt sich ein allgemeiner Ordnungsrahmen.

Enes Muric | die LINKE

Regenerative Energien

„Das neue Klimaschutzgesetz der Landesregierung wird immer mehr zum Rohrkrepierer. Schon bevor das Gesetz in den Landtag ging, wurden die Solarpflicht und regionale Ausbauziele gestrichen. Das an sich schon wenig ambitionierte Emissionsminderungsziel von 42 Prozent bis 2030 wird so nicht erreicht, zumal der Ausbau der Windkraft inzwischen fast vollständig zum Erliegen gekommen ist. Die von Grün-Schwarz angekündigte Energiewende wird immer mehr zu einer Erdgas-Wende, was die Abhängigkeit von fossiler Energie weiter zementiert. Für uns gilt: Der Ausbau der Windkraft muss gefördert werden, jedoch unter Beteiligung der Bürger*innen, sowie unter Einbezug von Energiegenossenschaften.

Worauf wir hinarbeiten wollen: Klimaneutralität bis 2035. Eine wichtige Stellschraube ist hier die sozial-ökologische Energiewende: Wir fordern, die EnBW (Energie Baden-Württemberg) in ein öffentlich-rechtliches Unternehmen umzuwandeln und so einen klaren Kurswechsel hin zu einer echten Energiewende einzuleiten. Die Forschung zu Wasserstoffsystemen als regenerative Speicher- und Antriebsmöglichkeit muss stärker gefördert werden. Hierzu ist auch der Aufbau eines zukunftsfähigen Wasserstoffnetzes nötig. Gefördert werden sollen in erster Linie regenerative Energiesysteme wie zum Beispiel Solarstrom, Solarthermie und Geothermie. Nachhaltige Energiespeichermethoden wie zum Beispiel Wasserspeicher müssen ausgebaut und ein Förderkonzept für dezentrale Speichermöglichkeiten wie zum Beispiel Redox-Flow-Batterien entwickelt werden. Ein ambitionierter Kohleausstiegsplan, der einen Ausstieg bis 2030 vorsieht, muss erarbeitet werden. Neckarestheim 2 wollen wir sofort stillle