Auf der Unterseite „Erosion Ellwangen, Bad Wurzach“ ist mit Bildern dokumentiert, wie groß die Abschwemmungen an den Maisäckern beim Juni-Hochwasser waren und welche Probleme sich dadurch in den Ortschaften im Bereich Bad Wurzach – Ellwangen ergaben. Um nicht einzelne Landwirte an den Pranger zu stellen, ist diese Unterseite nur mit einem Passwort zu erreichen. 

Nachfolgend Beiträge, die das Problem überregional darstellen.  

Wenn der Boden verschwindet (BR Fersehen 30 Minuten)

Auszüge aus dem Zeitungsartikel: An den Flutschäden ist auch der Maisanbau schuld

Hier ganzen Artikel auf welt.de lesen

Auszüge aus dem Text:

Bayern zahlt den Preis dafür, dass es auf die neue Nutzpflanze setzte. Durch den Mais können die Böden massive Regenfälle nicht mehr halten. Und der ausgespülte Schlamm enthält mehr Gifte als früher.


Das Wasser der Sturzfluten lief von den Maisfeldern in die Gräben und Bäche. Eine nennenswerte Rückhaltwirkung kommt auf der freien Bodenoberfläche nicht mehr zustande. Die Abschwemmungen, die es mit sich riss, machten das Wasser zur braunen, vernichtenden Flut.


Früher war das nicht so. Die Felder trugen zu dieser Zeit im Frühsommer, den Monaten mit den weitaus größten Regenmengen, eine dichte, gut geschlossene Vegetationsdecke. Sie bremste den oberirdischen Abfluss des Wassers. In den Tälern hielten es die Feuchtwiesen weiter zurück. Mehr konnte in den Boden versickern und ins Grundwasser gelangen.


Beim offenen Boden der Maisfelder geht das kaum noch. Erste kräftige Regengüsse verschlämmen die Bodenporen. Breitflächig fließt sodann der Niederschlag ab, gelangt in die Gräben, die ihn auch nicht mehr zurückhalten, rauscht in die gleichfalls weitgehend begradigten Bäche und kommt schließlich als unaufhaltbare Sturzflut aus den Tälern.

Pressemeldung des Bundesverband Boden e.V.

Rot: Eigene Hervorhebungen

Hochwasser- und Sturzflutvorsorge muss in der Fläche beginnen!!

Jeder Kubikmeter Wasserrückhalt in der Fläche reduziert das Schadensausmaß durch Hochwasser und Sturzfluten. Damit Niederschlagswasser nicht so schnell oberflächig abfließt, muss die Flächennutzung angepasst werden. Technische Maßnahmen und Warnsysteme werden alleine nicht ausreichen, um die Gefahren zu reduzieren und das Schadensausmaß zu vermindern.

Die sehr ausgeprägten Starkregenereignisse mit außergewöhnlich ergiebigen und großflächig aufgetretenen Niederschlägen haben zu verheerendem Hochwasser und reißenden Sturzfluten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Ostsachsen und Südbayern geführt. Die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Boden e.V. (BVB), Maike Bosold, bezieht Stellung:

Das Ausmaß der Schäden und die hohe Anzahl an Todesopfern hätte durch koordinierte Vorsorgemaßnahmen reduziert werden können. Dabei reichen technische und organisatorische Schutzmaßnahmen nicht aus, die Hochwasservorsorge muss vor allem in der Fläche beginnen. Das Entstehen von schnellem Oberflächenabfluss in den Hochwasserentstehungsgebieten und das Zusammenfließen wild abfließenden Wassers in den Tallagen wird im erheblichen Ausmaß durch menschliche Einflüsse verstärkt, wodurch das Risiko von Unwetterschäden deutlich erhöht wird. Die Versiegelung durch immer mehr Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen, der zu geringe Wasserrückhalt auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen und vor allem die schnelle Niederschlagsableitung verschärfen die Hochwasserrisiken. Neben den Maßnahmen zur Schadensbeseitigung und dem Wiederaufbau muss der effektiven Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen viel mehr Bedeutung zukommen„.

Die außergewöhnlich hohen Schäden durch die vergangenen Hochwasserereignisse gehen auf vier unterschiedliche, durch den Menschen geförderte oder verursachte Ursachen zurück, die grundsätzlich zusammenwirken und sich in ihren Auswirkungen gegenseitig verstärken:

(1) die fortschreitende Bodenversiegelung, wodurch immer weniger Fläche für die natürliche Versickerung von Niederschlagswasser zur Verfügung steht;

(2) die abflussfördernde Landnutzung, wodurch die Wassererosion und das bei Starkregenereignissen abgeschlämmte Bodenmaterial deutlich erhöht wird;

(3) das stark beschleunigte Zusammenfließen der Wassermassen durch das dichte Wege- und Entwässerungsnetz;

(4) der Klimawandel, durch den sich Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignisse mit Starkregen und Sturzfluten, aber auch ausgeprägten Dürreperioden, deutlich erhöhen werden.

Der Bundesverband Boden e.V. fordert eine umfassende Hochwasser- und Sturzflutvorsorge, wobei dem vorsorgenden Bodenschutz mehr Bedeutung zukommen muss. Politik und Gesellschaft müssen sich folgenden Herausforderungen stellen:

  1. Die fortschreitende Bodenversiegelung muss endlich wirksam eingeschränkt werden. Ein Netto-Null-Zuwachs an Flächenversiegelung bis spätestens im Jahr 2040 muss politisch verbindlich festgelegt werden, um die unverzichtbaren Ökosystemleistungen, insbesondere den dezentralen Wasserrückhalt, der Böden zu erhalten. Jeder Quadratmeter Bodenversiegelung führt zu einem Verlust an Wasserspeicherung von bis zu 600 Litern, bezogen auf einen durchwurzelbaren Bodenraum bis 2 m Tiefe. Der weitere Ausbau technischer Wasserrückhalteeinrichtungen verursacht enorme Kosten, ohne bei Extremwetterereignissen ausreichenden Schutz zu gewähren.
  2. Die Landwirtschaft muss durch eine schonende Bodenbewirtschaftung zum dezentralen Wasserrückhalt beitragen. Die schnelle Abflussbildung und Abschwemmung von Bodenmassen während eines Unwetters können nur mit einer dichten Pflanzendecke und intakten Bodenstruktur effektiv gemindert werden. Zur Verbesserung der Wasserinfiltration sind Bodenschadverdichtungen unbedingt zu vermeiden und abflussfördernden Kulturen (Mais, Zuckerrüben etc.) nur im Mulch- oder Direktsaatverfahren anzubauen. Eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung ist umzusetzen. In besonders abfluss- und erosionsgefährdeten Hanglagen ist (wieder) eine Grünlandnutzung zu etablieren.
  3. Auch die Forstwirtschaft muss reagieren. Durch immer schwerere Vollerntemaschinen kommt es auf ca. 5 bis 10 % der Waldfläche zu teils erheblichen Bodenschadverdichtungen. Einer beschleunigten Abflussbildung ist durch eine standortangepasste Baumartenzusammensetzung sowie Sickermulden, Fanggräben, Schutzstreifen etc. entgegenzuwirken.
  4. Statt den Abfluss in Graben- und Kanalisationssystemen zu konzentrieren und damit zu beschleunigen, sind geeignete Maßnahmen zur dezentralen Niederschlagsversickerung und Abflussverzögerung umzusetzen. Für eine wirksame Abflussverzögerung stehen eine Vielzahl an erprobten Maßnahmen zur Verfügung (Grünstreifen, Gewässerrandstreifen, Hecken und Feldgehölze, kleinteiligere Flächengliederung, angepasste Wege- und Gewässerpläne, dauerhaft begrünte Abflussmulden, Kleinstrückhalt in Wegeseitengräben, Versickerungsmulden, Flurneuordnung etc.).
  5. Zu Anpassung an den Klimawandel muss die Vorsorge vor Sturzfluten und extremen Hochwasserereignissen wirksam verbessert werden. Neben der Analyse der Fließwege im Einzugsgebiet müssen in integrierten Hochwasserschutzkonzepten Bewirtschaftungsmaßnahmen auf Feldebene mit Maßnahmen auf Einzugsgebietsebene sinnvoll kombiniert werden. Solche dezentralen Wasserrückhaltemaßnahmen zielen darauf ab, den größtmöglichen Schutz vor Sturzfluten und Überschwemmungen zu erreichen.
  6. Eine Siedlungserweiterung in Überschwemmungsgebieten und bevorzugte Abflusswege hinein ist zu unterbinden. Weiterhin ist abzuwägen, ob in den besonders gefährdeten Bereichen wirklich alle beschädigten Straßen und Gebäude wiederherzustellen sind. Neben dem Schutz und der Erweiterung der freizuhaltenden Überschwemmungsgebiete ist den Fließgewässern wieder mehr Raum zur freien Entwicklung bereitzustellen; dazu sind Gewässerentwicklungskorridore und Gewässerrandstreifen festzulegen.

Auch wenn durch die Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen Schäden durch Starkregenereignisse und Sturzfluten nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden können, lässt sich das Schadensausmaß erheblich vermindern. Hierzu liegen seit langem umfangreiche und detaillierte Studien und Projektergebnisse vor. Es besteht kein Wissensdefizit, sondern ein erhebliches Regelungs- und Umsetzungsdefizit sowohl in der Landesplanung als auch der kommunalen Verwaltung, das dringend abgebaut werden muss, damit solchen dramatischen Hochwasserereignissen besser vorgebeugt werden kann. Dazu sind fachliche, aber auch administrative Kompetenzen und Strukturen zum dezentralen Wasserrückhalt in den Planungs- und Verwaltungsbehörden aufzubauen.

Mehr Informationen zum Bodenschutz und Hochwasser:

https://www.bvboden.de/links/weitere-links

Mit knapp 600 für den Bodenschutz arbeitenden Mitgliedern ist der Bundesverband Boden e.V. der einzige Bundesverband für den vorsorgenden Bodenschutz in Deutschland. Ziel des seit 25 Jahren aktiven Verbandes ist der Schutz und die Erhaltung des Bodens als Bestandteil des Naturhaushaltes mit seinen natürlichen Bodenfunktionen, seinen Archiv- und Nutzungsfunktionen sowie als Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Weitere Informationen: https://www.bvboden.de